Dentalfluorose

Fluorid ist ein Mineral, das seit Jahrzehnten als effektiver Schutz gegen Karies bekannt ist. In Deutschland verwenden die meisten Menschen fluoridhaltige Zahnpasta, da sie hilft, den Zahnschmelz zu stärken und die Entstehung von Karies zu verhindern. Doch immer wieder kommt die Frage auf, ob der Konsum von Fluorid in Zahnpasta eine sogenannte Zahnfluorose verursachen kann (auch bekannt als „Fluoridose“ oder „Dentalfluorose„). Dies ist eine Erkrankung, die durch eine Überdosierung von Fluorid verursacht wird. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe und klärt, ob diese Sorge begründet ist.

Was ist Flouridose bzw. eine Dentalfluorose?

Fluoridose ist eine Störung, die auftritt, wenn der Körper über einen längeren Zeitraum zu viel Fluorid aufnimmt. Sie tritt hauptsächlich während der Zahnentwicklungsphase im Kindesalter auf. Die häufigste Form ist die Dentalfluorose, bei der sich weiße oder braune Flecken auf den Zähnen bilden. In extremen Fällen kann es sogar zu einer strukturellen Schwächung des Zahnschmelzes kommen. Eine schwere Fluoridose tritt jedoch nur unter sehr hohen Fluoridmengen auf, die weit über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegen.

Fluorid in Zahnpasta: Wie viel wird tatsächlich aufgenommen?

In Deutschland enthalten Zahnpasten für Erwachsene in der Regel 1.450 ppm (parts per million) Fluorid, ein Wert, der als sicher und wirksam gilt. Die entscheidende Frage ist, wie viel Fluorid beim Zähneputzen tatsächlich vom Körper aufgenommen wird. Die meisten Menschen spucken die Zahnpasta nach dem Putzen aus, wodurch nur sehr geringe Mengen verschluckt werden. Selbst wenn versehentlich kleine Mengen Zahnpasta verschluckt werden, sind diese in der Regel unbedenklich.

Kinder und Fluorid

Elmex Kinderzahnpasta enthält eine kindsgerecht angepasste Menge Fluorid. (Bildquelle: elmex).

Bei Kindern ist die Situation etwas anders, da sie Zahnpasta oft unabsichtlich verschlucken. Daher enthalten Kinderzahnpasten in Deutschland meist einen reduzierten Fluoridgehalt von 500 ppm. Zudem wird Eltern empfohlen, nur eine erbsengroße Menge Zahnpasta zu verwenden und das Zähneputzen ihrer Kinder zu überwachen. Dies minimiert das Risiko einer Überdosierung, so dass auch ein Verschlucken unbedenklich ist. Eine sowohl von Stiftung Warentest als auch von Zahnärzten und Konsumenten (letztere via Amazon-Bewertungen) sehr gut bewertete Kinderzahnpasta ist die Kinderzahnpasta von elmex, die es extra in drei verschiedenen Varianten gibt (Hinweis: Affiliate-Links – bei einem Kauf erhalten wir eine Provision):

Wir – die Betreiber von fluoridfreie-zahnpasta.de – verwenden für unsere Kinder auch die oben verlinkten elmex-Kinderzahnpastas mit optimal angepasster Fluoridmenge und können diese sehr empfehlen. Wir verwenden jedoch, der Empfehlung unseres Zahnarztes folgend, auch für die ersten Zähne unseres Babys die „Kinderzahnpasta für Kinder von 2-6 Jahre“ (dafür mit einer nur sehr geringen Menge), da die Babyzahnpasta zu wenig Fluorid enthält. Unsere Kinder putzen tatsächlich gerne Zähne (zum Glück) und haben vollständig gesunde und kariesfreie Zähne.

Sind Fluoridtabletten sinnvoll?

Fluoridtabletten sollten nur nach Absprache mit einem Kinderarzt oder Zahnarzt eingesetzt werden. Studien haben ergeben, dass Fluoridtabletten für zwei Drittel aller Fluorosefälle verantwortlich sind. Dennoch schützen auch Fluoridtabletten vor Karies. Empfohlen werden sie meistens, wenn man keine fluoridhaltige Zahnpasta verwendet – wie zum Beispiel im Fall von Babys, bevor sie ihre ersten Zähne bekommen (und damit bevor sie Zähne putzen).

Bei der Verwendung von Fluoridtabletten kann es außerdem sinnvoll sein, nicht zusätzlich auch noch fluoridhaltige Zahnpasta zu verwenden, sondern auf fluoridfreie Zahnpasta auszuweichen. Hierzu sollte vorher am besten ein Kinderarzt oder Zahnarzt konsultiert werden.

Natürliche Fluoridquellen – Trinkwasser?

Fluorid kommt auch in Lebensmitteln und Trinkwasser vor. In Deutschland sind die Fluoridgehalte im Trinkwasser jedoch vergleichsweise niedrig. Eine signifikante Aufnahme von Fluorid über das Wasser ist daher hierzulande so gut wie ausgeschlossen. Andere Quellen wie fluoridiertes Speisesalz tragen zur Fluoridversorgung bei, stellen jedoch bei normalem Gebrauch ebenfalls kein Risiko dar.

Wissenschaftliche Studien zu Fluorose

Das Vorkommen von Fluorose in Deutschland ist seit Jahrzehnten rückläufig. Eine Studie von 1999 ergab noch eine Prävalenz (also eine „Häufigkeit“) von Fluorose unter Jugendlichen von 15% (Schiffner & Reich, 1999). In einer Studie von 2008 wurde nur noch eine Häufigkeit von 5,6% festgestellt (Pieper et al. 2008). In dieser Studie wurde außerdem in einer der untersuchten Kindergruppen fluoridhaltige Kinderzahnpasten ab dem 1. Milchzahn verwendet, ohne dass eine erhöhtes Aufkommen von Fluorose oder stärkere Ausprägungen ermittelt wurden.

Insgesamt wurden jedoch über alle Studien hinweg nur sehr milde oder maximal mittlere Fluoroseausprägung festgestellt. Schwere Formen kommen bei Verwendung von Fluorid zur Kariesprophylaxe nicht vor, sondern wurden lediglich in Gebieten mit vulkanisch bedingt deutlich erhöhtem Fluoridgehalt im Trinkwasser festgestellt (DenBesten & Li, 2011). Prof. Dr. Ulrich Schiffner, der als Koryphäe der Zahngesundheitsforschung gilt und 25 Jahre lang als Professor am UKE in Hamburg an Dentalfluorose und der Wirksamkeit von Fluorid geforscht hat, weist darauf hin, dass:

[Dentalfluorosen] haben keine Relevanz für die allgemeine Gesundheit der Kinder [haben]. Im Gegensatz hierzu gehen mit ausgeprägten kariösen Defekten jedoch starke Beeinträchtigungen der körperlichen Gesundheit wie auch der psychischen Befindlichkeit der betroffenen Kinder einher.

Eine viel zitierte wissenschaftliche Studie aus Deutschland aus dem Jahr 2003 hat belegt, dass die Fluoridaufnahme durch Fluoridtabletten um ein vielfaches höher ist als durch fluoridhaltige Zahnpasta (Hetzer et al., 2003). Eine weitere Studie hat ergeben, dass etwa zwei Drittel der Fluorose-Fälle durch Fluoridtabletten verursacht wurde (Pendrys, 2000).

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung ist 2018 in einer offiziellen Stellungnahme zu dem Ergebnis gekommen, dass das Putzen mit fluoridierter Zahnpasta auch bei Kleinkindern die beste Kariesprophylaxe bietet, dann jedoch auf zusätzliche Einnahme von Fluoridtabletten verzichtet werden sollte (BfR, 2018).

Macht Fluorid dumm?

Fluoridgegner behaupten gerne, dass Fluorid dumm macht und verweisen dabei auf (vermeintlich) wissenschaftliche Studien. Diese Studien haben jedoch – bewusst (?) – erhebliche Mängel. So wurden teilweise zum Beispiel einfach Gebiete in armen Ländern mit unterschiedlich hohem Fluorgehalt im Trinkwasser verglichen, ohne dabei jedoch insgesamt die Wasser- und Lebensqualität zu berücksichtigen. Dass sich Kinder in einer armen ländlichen Region mit einer sehr hohen Schadstoffkonzentration im Wasser schlechter entwickeln bzw. durchschnittlich weniger intelligent sind als Kinder in einer reicheren Gegend mit guter Wasser- und Lebensqualität, ist nicht verwunderlich und liegt mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht daran, dass in den untersuchten ärmeren Gebieten die Fluorkonzentration im Wasser höher ist. Plausibler ist, dass die Trinkwasssermanager der armen Region versucht haben, die schlechte Wasserqualität durch eine höhere Beigabe von Fluor auszugleichen. Dadurch ist zwar dann die Fluormenge höher, auf die Intelligenz der Kinder hat die Fluormenge jedoch keine Auswirkung (die schlechten Lebensumstände jedoch schon). DocCheck hat diese These ebenfalls untersucht und kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.

Auf Grund der Präsenz der Thematik in den Medien hat auch die „Senatskommission zur gesundheitlichen Bewertung von Lebensmitteln“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Frage untersucht, ob Fluorid sich negativ auf die Intelligenz auswirkt. Das Ergebnis der Studie von 2020 war eindeutig: „Auf Basis der verfügbaren wissenschaftlichen Studien (Veröffentlichungen bis August 2019) gibt die aktuelle Fluoridexposition in Europa keinen Anlass zur Sorge.

Fazit: Ist die Sorge um Zahnfluorose berechtigt?

Eine Dentalfluorose durch die Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta zu entwickeln, ist in Deutschland unter normalen Bedingungen sehr unwahrscheinlich – und selbst wenn, würde man maximal einige medizinisch unbedenkliche Flecken auf den Zähnen erhalten. Wenn man auf Fluorid verzichtet, ist es dagegen sehr wahrscheinlich, dass man seine Zähne langfristig schädigt, und dann nicht nur fleckige, sondern auch brüchige und von Karies befallene Zähne bekommt.

Die Fluoridgehalte in Zahnpasta sind streng reguliert, und bei sachgemäßer Anwendung besteht kein Grund zur Sorge. Besonders bei Kindern ist es wichtig, die Anwendung zu überwachen und angepasste Produkte zu verwenden, die zwar – für einen wirksamen Kariesschutz unbedingt nötig – auch Fluorid enthalten, aber in einer verringerten Dosis. Erwachsene können beruhigt zu „normaler“ fluoridhaltiger Zahnpasta greifen, um ihre Zähne effektiv vor Karies zu schützen. Fluoridtabletten sollten jedoch nur auf zahnärztliche (oder bei Kindern kinderärtzliche) Empfehlung eingenommen werden.

Die Angst vor einer Fluorose sollte daher nicht vom Gebrauch fluoridhaltiger Zahnpasta abhalten. Vielmehr sollte der Fokus darauf liegen, eine gute Mundhygiene und gesunde Ernährungsgewohnheiten zu pflegen, um die Zähne ein Leben lang gesund zu halten.

Quellen:

Von admin

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